Normen von Augenschutz

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Doc 01.12.2022

Einleitung & Allgemeines

Die Überschrift klingt natürlich recht theoretisch und nicht ganz so spannend, warum sollte man sich als Airsoft-Spieler denn mit diesem Thema überhaupt beschäftigen? In unserem Blog gibt es bereits eine Übersicht, welche verschiedenen Arten von Augenschutz es im Airsoft gibt. Aber manchmal gibt es auch neue Entwicklungen oder Produkte, zu denen es noch nicht viele Erfahrungswerte gibt. Darunter findet man dann als Hilfe nur eine wilde Anordnung an Zahlen und Buchstaben: EN, DIN, ANSI, MIL? In diesem Blog geht es darum, was diese Normen aussagen, und auf welche man achten sollte, bei der Auswahl des Augenschutzes zum Airsoft spielen. 

Die Normen wurden in 3 Kategorien eingeteilt: Zertifiziert die Norm einen ausreichenden Schutz, ist die Erfüllung dieser Norm alleine nicht ausreichend oder ob es noch weitere Dinge zu beachten gibt? Als Kriterium wurde dabei die zertifizierte Energie eines Geschosses verwendet: Gemäss SASF-Regelwerk sind Replikas bis zu 3 J erlaubt. Wenn man dazu noch eine gewisse Sicherheit möchte, würde ich einen Wert über 5 J anstreben. Die Normen machen es jedoch leicht – die Energien liegen entweder unter 2 oder über 6 J, was eine deutliche Abgrenzung einfach macht.

Nicht ausreichend!

EN 166 F

Die Norm EN 166 ist sehr allgemein gehalten und behandelt verschiedene Unterthemen, wie den Aufbau, Begriffe oder verschiedene Anwendungsbereiche von Schutzbrillen. Ein Kriterium ist auch die mechanische Festigkeit, welche mit den Buchstaben F für Stösse leichter Energie, getestet nach EN 168, angegeben werden kann. Der Test hat jedoch nur eine Energie von 0.87 J, was für Airsoft bei weitem nicht ausreichend ist.

ANSI Z87.1+

In dieser Norm geht es neben der mechanischen Festigkeit auch um andere Themen: Lichtdurchlässigkeit, optische Qualität, scharfe Kanten, Entflammbarkeit oder Korrosion. Es gibt einen Test mit einem Stahlball von einem Durchmesser von 6.35 mm und einem Gewicht von ca. 1 g, was für unsere Zwecke zuerst einmal recht passend klingt. Jedoch entspricht dies bei einer Geschwindigkeit von 46 m/s, gerade mal einer Energie von ca. 1.11 J, für Airsoft somit absolut nicht ausreichend.

DIN EN ISO 12312-1

Diese Deutsche Industrie Norm gibt allgemeine Vorschriften für Sonnenbrillen. Ist nett für einen sonnigen Tag, aber sagt nichts über die Schutzwirkung aus.

ASTM F1776-22

In einem unserer “Nachbarhobbys”, Paintball, gibt es eine eigene Norm, die verschiedene Aspekte behandelt: ASTM F1776. In einem Abschnitt geht es dabei um Augenschutz,d er beim Paintball verwendet werden soll. In den Tests sind einige interessante Aspekte mitbedacht, unter anderem wird nicht nur mit wenigen Schüssen getestet, sondern mit 25 Paintballs. Bei einer Masse von 3.1 g und Geschwindigkeiten von 400 fps kommen wir auf 23 J, was erstmal sehr gut klingt.
Schwierig ist jedoch die Vergleichbarkeit. Die Energie klingt natürlich sehr hoch, deutlich höher als andere Tests. Jedoch sind Paintballs mit 17 mm deutlich grösser als unsere BBs mit 6mm, zudem sind sie auch nicht hart, sondern verformen und platzen beim Aufprall. Dadurch wird deutlich weniger Energie auf die Brille übertragen, sondern verbleibt im Projektil und zusätzlich verteilt sich die Energie auch auf eine deutlich grössere Fläche des Augenschutzes. Damit kann man basieren auf diesem Test leider nicht sagen, ob ein Augenschutz auch für Airsoft geeignet ist.

Kann ausreichen, muss aber nicht!

STANAG 2920

Ein NATO-Standard, der ebenfalls einen Test für Splittergeschosse enthält. Hier wird jedoch nur ein Verfahren Beschrieben, um die mittlere Durchschussgeschwindigkeit v50, also die Geschwindigkeit, bei der die Hälfte der Geschosse die Brille durchschlägt, zu ermitteln. Wenn hiernach geprüft wird, benötigt man also zusätzlich die Angabe von v50 und dem verwendeten Kaliber, um Nachvollziehen zu können, ob der Schutz für Airsoft ausreichend ist. Leider findet man diese Angabe nicht immer, wodurch die Angabe der Norm alleine bei einer Schutzbrille uns nicht weiter hilft.

Alles in Ordnung!

MIL PRF 31013 und MIL PRF 32432 Class 1/1a

Hier haben wir eine US-Militär-Norm für ballistische Schutzbrillen, die aber auch wieder zusätzlich noch diverse andere Themen behandelt. Die Tests für die Ballistik werden nach MIL-STD-662 mit Schrot im Kaliber .15 (3.81 mm) durchgeführt bei einer Geschwindigkeit von 640 – 660 fps, was einer Energie von 7.15 J entspricht. Für Airsoft somit in Ordnung.

MIL DTL 43511D und MIL PRF 32432 Class 2/2a

Während die PRF 31013, bzw. die Klasse 1 der PRF 32432 sich mit normalen Schutzbrillen beschäftigen, geht es hier um geschlossene Schutzbrillen, bzw. Korbbrillen. Bei einem Kaliber von 0.22 (5,6 mm), einem Gewicht von 1.1 g und einer Geschwindigkeit von ca. 175 m/s kommt man hier sogar auf 17.2 J, die die Schutzbrille aushalten muss.  

EN 166 B

Die EN 166 haben wir schon kennengelernt mit dem Buchstaben F. Der Buchstabe B gilt für geschlossene Schutzbrillen/Korbbrillen und wird mit einer Energie von 6.19 J getestet. Dieser ist somit absolut ausreichend für unsere Anwendung beim Airsoft.

Ein Beispiel aus der Praxis: Swisseye Raptor

Eine Schutzbrille, die häufig in Foren empfohlen wird, der Autor dieses Beitrages verwendet sie selbst, seitdem er Airsoft spielt. Bei der Recherche einer Schutzbrille hilft neben der Händlerseite meist auch die Seite des Herstellers weiter. Auf der Seite von Swisseye selbst findet man entsprechend diverse Normen, von denen einige erstmal nicht weiterhelfen: EN12312-1, ANSI Z87.1, STANAG2920/4296 und EN166F. Nach diesen haben wir hier also eine Sonnenbrille, eine ausreichende Schutzwirkung enthalten diese aber nicht. Erst die MIL-PRF-31013/32432A und MIL-DTL-43511D zeigen uns, dass diese Brille problemlos für Airsoft eingesetzt werden kann.

Empfehlungen

Wo findet man also eine passende Schutzbrille? Airsoftshops sind oft eine erste Anlaufstelle, jedoch sind nicht alle Brillen dort auch geeignet. Teilweise gibt es auch Unterteilungen zwischen Brillen nach MIL-Standard und ohne. Tests für eine Norm verursachen Kosten, die nicht von jedem Hersteller getragen werden (wollen). 

Daher empfiehlt sich ein Blick zu Herstellern, die auch vom Militär oder Sicherheitskräften verwendet werden: Swisseye, Bolle, Revision, ESS, Wiley sind alles Marken, welche den Normen entsprechende Schutzbrillen in einem auch für den Einstieg guten Preisbereich anbieten, wie die Swisseye Raptor, Revision Sawfly oder ESS Crosshair. Nach oben hinaus sind mit Marken wie Oakley natürlich keine Grenzen gesetzt. Bei reinen Airsoftmarken, wie Nuprol, Lancer oder G&G, habe ich leider zu den Schutzbrillen oftmals keine Angaben gefunden.

Zuletzt ist noch zu empfehlen, dass die Brille entweder geschlossen ist, oder zumindest den Bereich der Augen gut umschliesst. Es gibt durchaus Brillen, die die ballistischen Normen erfüllen, jedoch eher die Form einer Sonnenbrille haben, sodass BBs von der Seite oder von unten trotzdem zum Auge gelangen können. Die Brille sollte somit Flügel sowohl zur Seite, als auch nach unten bieten und dort gut abschliessen (siehe Abbildung 1). Alternativ bietet sich auch eine geschlossene Brille, wie die Bolle X800 an.

Abbildung 1: Beispiel für eine Schutzbrille, die das Auge auch vor Treffern aus verschiedenen Winkeln schützt. Fotograph: @raphi_cw

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Doc

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